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D-Bulletin Nº 11 – 2026, Gutes Innenraumklima

Die Vermittlerin

Nachhaltigkeitszertifizierungen erfolgreich zu bestehen ist eine Planungsaufgabe, die mit einem Gütesiegel ausgezeichnet wird, wenn die Qualität des Gebäudes stimmt. Für die Nutzenden werden dabei auch die Weichen gestellt für gesunde Räume. Patricia Bürgi ist spezialisiert auf nachhaltiges Bauen. Ein Gespräch über Beratung und Durchhaltewillen.

Was nimmt der Mensch im Raum als Erstes wahr?

Das, was wir nicht messen können: Wie fühlt sich ein Raum an – hell und freundlich oder eher einengend und dunkel? Fühle ich mich ausgestellt? Kann man miteinander sprechen und es hört sich angenehm an? Die Möblierung ist nicht Teil der Zertifizierungen. Aber natürlich spielt sie für die Wahrnehmung auch eine Rolle, weil die Nutzer sie täglich benutzen. 

Und was kann man messen?

Gerade fanden im Gebäude die Raumluftmessungen für die Zertifizierung Gutes Innenraumklima GI 2.0 statt. Mit den Messungen wird geprüft, ob die Raumluftwerte den Vorgaben entsprechen und sich darin keine schädlichen Substanzen befinden. Zum Innenraumklima gehört aber mehr als nur saubere Luft. Es geht auch um Lichtverhältnisse, um Raumakustik, um Wärme-Kälte-Lüftungs-Regulierung, die man für die Fläche berechnen und optimal planen kann für ein angenehmes Raumklima. 

Wie werden die Voraussetzungen für die Erfüllung von Zertifizierungskriterien geschaffen?

Jedes einzelne angestrebte Gütesiegel hat eigene Anforderungen. Sie ergänzen sich zum Teil, aber grundsätzlich gilt es, Hunderte von Kriterien im Blick zu behalten. Damit das gelingt, müssen bei jedem Bauprojekt die Verantwortlichen für die unterschiedlichen Nachhaltigkeitsbereiche benannt werden. Das betrifft alle – die Bauherrschaft, Fachplaner, Nutzende oder Gebäudebetreiber. Aus ihrer Sicht müssen die Kriterien für die Architektur, die Lichtplanung, Energiekonzepte, Oberflächen, Materialien oder Einrichtung von Anfang an einfliessen. Es beeinflusst zum Beispiel das Aussehen der Fassade, wenn ich sie nicht nur als ästhetisches Element verstehe, sondern auch als Faktor für Energieeffizienz und Raumklima. Bei so tiefen Gebäudegrundrissen wie Gebäude D ist es in den innen liegenden Räumen dunkler als entlang der Fassade – das hat Einfluss auf das Beleuchtungskonzept. Ich sensibilisiere die Planerteams für die gemeinsamen Themen.

Wie arbeiten Sie?

Ich habe das Projekt erst gegen Ende 2020 von einem Kollegen übernommen. Grundsätzlich ist es ideal, wenn ich mit den Architekten schon im Austausch bin, wenn sie ihre ersten Ideen skizzieren. Ich verstehe die Planung, die sich an den jeweiligen Standards orientiert, als Dialog, in dem ich mein Wissen vermittle. Nicht, dass ich Vorschriften mache. Ich weise vor allem auf Stolpersteine hin, die sich später auswirken. Ich möchte sensibilisieren und befähigen, entlang der Nachhaltigkeitskriterien zu denken. Das gilt für die Architekten wie für die weiteren Fachplanenden. Wenn ich erst im Endspurt dazukomme, ist es meistens zu spät.

Warum?

Weil dann zwar umgesetzt ist, was bestellt wurde. Aber möglicherweise nicht gemäss den komplexen Anforderungen der Zertifikate.

Was wurde bestellt?

Ausgangslage war, dass Planende und Unternehmen wussten, was bei den Gebäuden der ersten Etappe – die mit Labels ausgezeichnet sind – funktioniert hat und was nicht. Daran haben sie angeknüpft. Es gilt, die Vorstellungen von Ästhetik abzugleichen mit den Baustandards, die die Bauherrschaft angewendet wissen will. Dafür stelle ich sicher, dass die Anforderungen an nachhaltige Produkte in die Leistungsverzeichnisse aufgenommen sind und damit Teil der Ausschreibung werden. Mit der Submission sind die Anforderungen für die Ausführung akzeptiert. Kein Unternehmer kann dann sagen, er habe nicht gewusst, nach welchem Standard gebaut wird.

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Patricia Bürgi steuert für Gebäude D die Zertifizierungsprozesse.

Gebäude D wird neben GI 2.0 und Minergie-P-ECO nach dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz Hochbau erstellt. Wie wirksam ist es, das Gebäude und den Standort an sozialen, ökologischen und ökonomischem Kriterien auszurichten?

Der SNBS ist der Standard, der mit den Bereichen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt alle Dimensionen der Nachhaltigkeit im Bauwesen komplett abdeckt. Ich fasse die Wirksamkeit gern in einer einfachen Gleichung zusammen: Wenn der Mensch im Zentrum steht und wir diesen Fokus kombinieren mit wirtschaftlich verantwortungsvoller Umsetzung, dann wird ein neues Gebäude ökologisch. Wenn wir schon bauen, dann so gut und zukunftsfähig wie möglich. Und da der Bund bei seinen Bauprojekten den gesamten Lebenszyklus betrachtet, ist auch der Betrieb von Anfang an berücksichtigt. Das Gebäude ist so vorbereitet, dass es einfach umgenutzt werden kann. Diese weitsichtige Haltung ist entscheidend. Es macht daher für mich immer Sinn, auf die drei Dimensionen der Nachhaltigkeit grosses Gewicht zu legen.

Ist ein guter Mix der Standards erstrebenswert?

Wenn es nicht den einen Standard gibt, der alles abdeckt und wenn bestimmte Aspekte als besonders relevant gewertet werden. Der Bund baut nach mehreren Standards. Gutes Innenraumklima betrifft die Menschen in den Räumen ganz konkret. Sich dafür den strengen Regeln unterzuordnen, heisst, den Menschen ins Zentrum zu rücken. Minergie-P-ECO und SNBS wurden in den letzten Jahren harmonisiert.

Wie behält man den Überblick?

Gute Frage! Es braucht Wissen und Biss. Die öffentliche Hand als Bauherrschaft hat eine Vorbildfunktion. Wenn der Bund so umfassende Standards nicht einhält, kann man nicht davon ausgehen, dass sich die restliche Baulandschaft dazu ermutigt fühlt. Die Idee ist schon, das vorzuleben. Zu sagen: Wir streben das an und wir investieren auch da rein, weil es sich langfristig auszahlt.

Bauen als Haltung?

Wir bauen für die Zukunft. Es ist unsere Verantwortung, sicherzustellen, dass die neu errichteten Gebäude so lange wie möglich bestehen und flexibel genutzt werden können. Und wenn man zurückbauen muss, dass man kreislauffähig trennen kann. Diese Aspekte sind in den letzten Jahren immer wichtiger geworden.

Wie kann es gelingen, in den langen Zeiträumen zwischen Planung und Ausführung mit den Entwicklungen Schritt zu halten?

Solange man nicht angefangen hat zu bauen, kann man auf dem Papier immer noch anpassen. Doch sobald ein bewilligtes Projekt vorliegt, ist der erste Nagel eingeschlagen. Dann gelten die zu dem Zeitpunkt gültigen Zertifizierungsnormen. Für Gebäude D war Stichtag die Baueingabe 2020. Seitdem haben sich Minergie-P-ECO und GI in vielen Punkten weiterentwickelt. Wir würden heute vermutlich einiges anders anpacken.

Wann werden die Zertifizierungsprozesse abgeschlossen?

Für Minergie-P-ECO haben wir die Unterlagen zur Prüfung vor Kurzem eingereicht. Für die SNBS-Zertifizierung bereiten wir die Prüfunterlagen gerade vor. GI 2.0 folgt vermutlich 2027, weil das Gebäude für die finalen Messungen in Betrieb und genutzt sein muss. Ich bin optimistisch, dass die externen Prüfstellen bestätigen: Die Qualität, die der Bauherr angestrebt hat, wurde erreicht. 

Erleben Sie auch Schwierigkeiten?

Das teilweise Nicht-verstehen-Wollen von Planenden oder Ausführenden. Obwohl die Submission belegt: Du wusstest das, jetzt musst du liefern.

Was reizt Sie an der Vermittlung dieser komplexen Regelwerke?

Architektur ist mehr als Ästhetik. Nach dem Architekturstudium habe ich mich seit dem Jahr 2000 in Energietechnik fortgebildet und eine Zeit für den Verein Minergie gearbeitet. Dort kam ich mit Bauökologie in Kontakt. Seit gut drei Jahren vertiefe ich mich in Kreislaufwirtschaft. 

Was ist das nächste Thema?

Netto-Null. Schwierig zu erreichen, aber ich möchte dazu so viel wie möglich bewirken. Es hätte mir auch Spass gemacht, als Zimmerfrau mit Holz zu arbeiten. Doch zu meiner Ausbildungszeit waren Frauen Exotinnen in dem Beruf. Ich bin sehr naturverbunden.

Sie haben acht Bienenvölker. Was lernen Sie von den Tieren?

Wenn ich zu den Bienen gehe, darf ich keinen Stress und keine Hektik verbreiten. Das überträgt sich eins zu eins auf sie. Letztes Jahr konnten wir knapp 300 Kilogramm Honig ernten.

Patricia Bürgi (*1969) hat nach einer Zeichnerlehre Architektur studiert und sich auf nachhaltiges Bauen spezialisiert. Sie ist seit 2010 als Projektleiterin für nachhaltiges Bauen bei CSD Ingenieure AG in Bern tätig und steuert für Gebäude D die Zertifizierungsprozesse.

Gebäudelabels Schweiz

Gebäudelabels Schweiz

Die Gebäudelabels Schweiz orientieren sich an gesetzlichen Vorgaben, Nachhaltigkeitsstrategien und der Schweizer Baukultur. Sie bauen auf Bestehendem auf und beziehen die relevanten Schweizer Normen und Richtlinien entlang der SIA-Planungsphasen mit ein. Beim Thema Nachhaltigkeit gehen sie weiter als die gesetzlichen Vorgaben.

Labels sind mehr als ein Gütesiegel. Sie dienen mit ihren Anforderungen, den Standards, als bewährte Planungsinstrumente. Damit helfen sie, früh die Weichen zu stellen, damit zukunftsfähige Gebäude realisiert werden können.

Weiterführende Informationen

Gebäude D wurde nach diesen Standards geplant und gebaut:

GI Gutes Innenraumklima 2.0

GI 2.0 ist die Weiterentwicklung der Planungsleistung Innenraumklima und beurteilt dieses in Bezug auf Schadstoffe und Raumluftqualität. Das Zertifikat wird für eine definierte Nutzungsdauer vergeben.

SNBS Hochbau Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz

SNBS-Hochbau ist das umfassendste Schweizer Gebäudelabel. Es betrachtet das Gebäude und den Standort. Die Bedürfnisse von Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt sind mit Blick auf den gesamten Lebenszyklus einer Immobilie in gleicher Weise in Planung, Bau und Betrieb miteinzubeziehen. 

Minergie-P-ECO

Minergie wird als Baustandard von Wirtschaft, Kantonen und Bund getragen. Im Zentrum stehen die Energieeffizienz, die Nutzung erneuerbarer Energien sowie der Arbeitskomfort der Nutzenden. Gewährleistet wird dies durch eine hochwertige Gebäudehülle, systematische Lufterneuerung und Wärmeschutz (P). ECO als Zusatz kennzeichnet einen Standard für kreislauffähiges, ökologisches und gesundes Bauen.

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Ausgewählte Oberflächen

Für die Oberflächen in Gebäude D werden Materialien verwendet, die sich in gleicher oder ähnlicher Weise bereits bei den Gebäuden der ersten Ausbauetappe bewährt haben. In diesem D-Bulletin stehen in loser Reihenfolge weiterführende Informationen zum verbauten Holz und Stein sowie zu Textilien. Alle prägen das Raumklima und die Raumwahrnehmung.

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Interview mit Raphael Rapold

Unsichtbares sichtbar machen

Bei der Zertifizierung für Gutes Innenraumklima wird die Raumluft auf Formaldehyd, flüchtige organische Verbindungen (TVOC), Radon und CO₂ untersucht. Dazu kommt eine Hygieneinspektion der Lüftungsanlagen. Raphael Rapold über Innenraumklima als Messaufgabe und was ihn richtig reizt.

Raphael Rapold hält die Tasche mit den Messinstrumenten und schaut ernst. Ob jemand der Besuchenden gerade geraucht habe? Parfüm aufgetragen? Neue Kleidung an? Wenn ja, dürfe man nicht in die Nähe der Messinstrumente, um das Ergebnis nicht mit Ausdünstungen zu verfälschen. Weil die Instrumente derart sensibel sind, ist am Messtag das Gebäude fast leer. Die Bauarbeiten ruhen, damit die Raumluft ohne Baustellenemissionen geprüft werden kann. 

Für die Beurteilung werden neben Einzelstoffen auch sogenannte Summenparameter (z. B. TVOC) herangezogen. Dabei gilt: Die Gesamtbelastung muss innerhalb der festgelegten Richtwerte liegen, und gleichzeitig dürfen auch die gesundheitlich relevanten Grenzwerte der einzelnen Substanzen nicht überschritten werden. In einem abgeschlossenen Büroraum stellt Rapold seine Tasche auf dem Teppichboden ab, zieht sich Gummihandschuhe an, baut ein kleines Stativ auf und hängt drei Messeinheiten daran. Genau das gleiche Verfahren wird er in anderen Bereichen des Gebäudes anwenden, um die Emissionen von Boden-, Wand- und Deckenmaterialien in der Raumluft zu testen. Grundlage ist das Messkonzept vom Herbst 2025. Wird es erfüllt, hat der Gebäudeeigentümer die Sicherheit, dass gemäss Bestellung sauber und normgerecht gearbeitet worden ist.

Raphael Rapold, auch die Nachhaltigkeitslabels SNBS und Minergie-P-ECO schreiben Messungen der Luftqualität vor. Die Tests für das «Gute Innenraumklima GI» sind am strengsten. Worum geht es?

In Neubauten können chemische Schadstoffe vorkommen, die durch Baumaterialien eingebracht werden. Um dies zu prüfen, lassen wir mithilfe einer Pumpe die Raumluft durch diese drei Röhrchen zirkulieren, die ich eben installiert habe. Darin ist ein Sorptionsmittel, das Substanzen aus der Luft filtert. Die Proben wertet ein Labor aus und dokumentiert, welche Verbindungen in der Luft in welchem Umfang vorgekommen sind. Diese Ergebnisse gleichen wir dann mit den Grenzwerten ab, die das Label vorschreibt. Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Bewertung. Bei SNBS und Minergie-ECO wird in der Regel nur der Summenparameter TVOC, also Total Volatile Organic Compounds, beurteilt. Beim GI hingegen werden zusätzlich die gesundheitlich relevanten Richtwerte der einzelnen Substanzen überprüft und müssen eingehalten werden. Die GI-Messungen haben damit die strengsten Anforderungen. Werden diese eingehalten, sind die Voraussetzungen für die Zertifikate Minergie-ECO und SNBS automatisch ebenfalls erfüllt.

Was beeinflusst das Innenraumklima?

Chemische Emissionen kommen primär von Baumaterialien, also z. B. dem Teppichkleber, Bestandteilen des Teppichs, der Wandfarbe, Fugendichtmasse oder Holzoberflächen. Für die Zertifizierung entwickeln wir ein detailliertes Messkonzept. Wir schauen uns das Gebäude an und ermitteln die Raumtypen. Gemäss den aktuellen Zertifikatsanforderungen von GI 2.0 sind bei Gebäude D sieben Messpunkte notwendig, um alle Materialisierungsvarianten zu erfassen. Dazu kommen sieben Messpunkte CO2 und fünf Messpunkte Radon im Erdgeschoss. Ausserdem die Hygieneinspektionen der vier Lüftungsanlagen, die die Hauptnutzungsräume des Gebäudes belüften.

Stichproben sind vertretbar?

Ja. Wenn wir jeden Raumtyp einmal erfasst und gemessen haben, kann man in der Regel auf die anderen schliessen. Ausserdem prüft Patricia Bürgi, die die Kriterien für die angestrebten Zertifizierungen kennt und in die Planungsprozesse eingebracht hat, immer die Datenblätter der Produkte, die die Unternehmer verbauen. Daraus ergibt sich, ob die Baumaterialien GI-tauglich sind.

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Was geschieht, falls ein Unternehmer nachträglich andere als die offerierten Materialien verwendet hat?

Merken wir das. Radon hingegen ist ein radioaktives Edelgas im Untergrund, das vor allem in der Heizperiode verstärkt in Gebäude eindringen und damit im UG und EG vorkommen kann. In modernen Gebäuden ist Radon nur noch selten ein Problem, da diese über eine dichte Fundamentbauweise verfügen und die Räume häufig mechanisch belüftet werden. Dennoch kann nur eine Messung Gewissheit schaffen. Bakterien und Feinstaub in der Luft können wir durch die richtigen Filter und eine detaillierte Sichtprüfung in der Lüftungsanlage ausschliessen. CO2 werden wir erst testen, wenn das Gebäude in Betrieb genommen worden ist. Hier kommt der Mensch ins Spiel: Wir atmen CO2 aus. Wenn der Luftwechsel im Raum nicht gut ist, führen erhöhte CO2-Konzentrationen zu Kopfschmerz und Unwohlsein.

Ecosens ist Inhaber des GI 2.0 Labels – und gleichzeitig Prüfinstanz. Kein Konflikt?

Das GI-Label bezieht sich durchgängig auf offizielle Grenzwerte und normierte Messverfahren. Damit ist der Prüfprozess klar und nachvollziehbar geregelt. Zudem wird jeder GI-Messbericht durch die unabhängige Prüfstelle S-Cert AG geprüft, die letztendlich auch das Label ausstellt. Die Entscheidung über die Labelvergabe liegt somit nicht bei Ecosens.

Sie haben Wirtschaftschemie studiert und sind heute Projektleiter Luftqualität. Was reizt Sie am Thema?

Bevor ich meine aktuelle Arbeit begonnen habe, war ich in der Pharmaindustrie und habe Produktionsprozesse optimiert. Standardisierte Label-Abnahmemessungen wie heute sind an sich nichts Spektakuläres. Dennoch ist jedes Gebäude anders und das macht die Arbeit doch immer spannend. Zudem komme ich viel in der Schweiz herum. Besonders reizen mich die Spezialfälle: wenn es in einem Neubau plötzlich seltsam riecht oder Menschen nach einer Sanierung über Kopfschmerzen klagen. Solche Situationen zu analysieren und die Ursachen zu finden, ist sehr befriedigend. Meinen Kindern erkläre ich meinen Beruf deshalb gerne so: Ich bin ein «Häuschen-Doktor».

Wann liegen die Testergebnisse vor?

Die Ergebnisse der heutigen Messungen liegen in ungefähr ein bis zwei Wochen vor. Im Herbst, wenn die Nutzer eingezogen sind, werden dann die CO2- und Radonmessungen durchgeführt. Wir begleiten sehr viele Messungen, und hier wurde von Anfang an Wert darauf gelegt, mit den richtigen Materialien zu bauen. Es war klar, welche Labels man erreichen will, und an deren Standards haben sich die Planenden und die Unternehmen konsequent ausgerichtet.

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Kein Zutritt: Die Raumluftmessung dauert circa 30 Minuten.

Raphael Rapold (*1992) arbeitet seit 2020 als Projektleiter Luftqualität bei der Firma Ecosens AG in Wallisellen ZH. Rapold hat Chemie studiert, sich auf Wirtschaftschemie spezialisiert und zuvor bei den Pharmaunternehmen Lonza und Aenova Produktionsprozesse optimiert.

Gebäudebetreiber

Maximal flexibel

Sebastian Roth und Mathias Tschannen stellen sicher, dass Gebäude D nach der Übergabe an die Nutzenden in einem guten Zustand bleibt und der tägliche Betrieb langfristig sichergestellt ist. Einblick in eine Arbeit, die oft erst gesehen wird, wenn etwas nicht funktioniert.

Was ist Ihr zukünftiges Aufgabengebiet?

Sebastian Roth: Wir nehmen ein weiteres Gebäude in unser Portfolio. Mit der Schlüsselübergabe Ende Juni 2026 sind Mathias Tschannen und ich verantwortlich für den einwandfreien haustechnischen Betrieb und alle damit zusammenhängenden Dienstleistungen.

Mathias Tschannen: Die Aufgaben sind vielseitig. Wir sorgen kurz gesagt dafür, dass alles richtig funktioniert – von Licht über Storen bis zur Lüftung. Ausserdem kommen die Nutzenden mit ihren Anliegen zu uns. Wenn zum Beispiel eine Steckdose kaputt ist, geht bei uns über SAP eine Bestellung ein – und wir sorgen dafür, dass die Reparatur ausgeführt wird.

SR: Unsere Hauptaufgabe ist, diesen Neubau langfristig zu pflegen. Dafür stellen wir sicher, dass die Anlagen gemäss Vertrag gewartet werden und sind für die ausführenden Unternehmen da. Wir achten darauf, etwaige Schäden früh zu erkennen, die richtigen Massnahmen dagegen zu ergreifen, holen Offerten ein. Bei uns liegt relativ viel Verantwortung. Die Inputs, die zu uns kommen, müssen von uns nicht nur beachtet, sondern auch den richtigen Leuten weiterkommuniziert und dann umgesetzt werden.

Sind Sie selbst auch mit dem Schraubenzieher unterwegs?

MT: Ja, das ist das Schöne an dem Beruf. Wir kümmern uns um Kleinstreparaturen. Wenn es aufwendig wird oder zu komplex, ziehen wir die Fachspezialisten dazu. Wir wägen ab, was Sinn macht.

SR: Wir haben viel Kontakt mit Mitmenschen und wir können selbst ausführen. Für mich ist es der schönste Job. Man ist mit so vielen Themen konfrontiert – von Sanitär über Elektrik, Heizung, Spengler oder Baumeister. Am Morgen weiss ich nie, was auf uns zukommt. Und wenn sich eine Aufgabe stellt, müssen wir eine Lösung finden.

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Duo für Dienstleistungen: Mathias Tschannen (l.) und Sebastian Roth (r.).

Sie haben bereits in den Gebäuden der ersten Etappe gearbeitet. Was macht Gebäude D interessant?

MT: Wir waren in den letzten zwei Jahren in den Bauprozess eingebunden. In unserem Team leben wir die Philosophie, früh mit allen Themen konfrontiert zu sein, um Inputs zu geben, wenn es unsere Betriebsabläufe besser macht. Oft wird der Hausdienst im Bau vernachlässigt.

SR: Ich habe in meinem Leben viele Baustellen gesehen und Häuser übernommen – das konsequente Miteinander-Abstimmen war hier vorbildlich und wirkungsvoll.

Wo in diesem grossen Gebäude ist Ihr Lieblingsort?

MT: Ich habe Sanitärinstallateur gelernt. Bis heute bin ich am liebsten im UG in der Haustechnik. Die meisten sehen nicht, wie viel es braucht, damit man sich zum Beispiel die Hände waschen kann. 

SR: Überall, wirklich! Klar, es gibt Tage, an denen die Arbeit vorgegeben ist, weil es – sagen wir in der Einstellhalle – ein Problem gibt. Aber meistens habe ich die Freiheit, mich am Morgen zu fragen: Wo will ich heute sein?

Sie arbeiten im Schichtbetrieb?

SR: In drei Schichten. Frühdienst von 6–15.30 Uhr, Normaldienst von 7–16.30 Uhr, Spätdienst beginnt um 11 und endet um 20 Uhr. Ich bin Familienvater, meine beiden Kinder sind drei und fünf Jahre alt. Mir gibt die Schichtarbeit die Flexibilität und die Freiheit, jeden Tag Zeit mit meinen Kindern zu haben. Mal bringe ich meine Tochter morgens in den Kindergarten, mal gehe ich am Nachmittag mit meinen Kindern in die Badi. So zu arbeiten, gibt viel Work-Life-Balance.

MT: Ich sehe das genauso. Wenn man mal von 11–8 Uhr abends arbeitet, findet eben der Feierabend vor dem Schaffen statt.

Sebastian Roth (*1991) hat Fachmann Betriebsunterhalt EFZ gelernt; Mathias Tschannen (*1993) ist Sanitärinstallateur EFZ. Beide absolvierten die Weiterbildung zum Hauswart mit Fachausweis. Sie arbeiten als Gebäudebetreiber im Dienstleistungszentrum DLZ 1 des BBL und sind Teil eines zwölfköpfigen Teams.

Gebäudetechnik

Angenehme Raumtemperaturen?

Wärme- und Kälteerzeugung findet bei Gebäude D über einen mehrstufigen thermodynamischen Prozess statt. Wesentlicher Bestandteil dieses Energiekonzeptes sind Erdsonden. Sie machen die im Boden gespeicherte Sonnenwärme als erneuerbare Energie nutzbar. Diese Grundwärme wandeln Wärmepumpen in Wärmeenergie um. Sie wird im Gebäude grossflächig in die Räume verteilt. 

Gebäudetechnik ist ein entscheidender Faktor für ein gesundes, behagliches und energieeffizientes Raumklima. Sie reguliert Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität. In Gebäude D können zusätzlich die Fenster an den Aussenfassaden individuell geöffnet werden.

Mehr erfahren: Gebäudetechnik

Mehr erfahren: Erdsonden

Bauberufe

Wer arbeitet jetzt noch hier?

  • Architekt/-in
  • Zeichner/-in Fachrichtung Architektur EFZ
  • Bauingenieur/-in
  • Baumaschinenführer/-in
  • Gebäudereiniger/-in EFZ
  • Bauwerktrenner/-in EFZ
  • Bodenleger/-in EFZ
  • Brandschutzmonteur/-in
  • Fachmann/-frau Systemdecken BP
  • Elektroingenieur/-in FH und HF
  • Elektroinstallateur/-in EFZ (inkl. Lernende)
  • Elektroplaner/-in EFZ
  • Gärtner/-in EFZ Fachrichtung Garten- und Landschaftsbau
  • Gebäudetechnikingenieur/-in HLKS FH und HF
  • Gestalter/-in Werbetechnik EFZ
  • Abdichter/-in EFZ
  • Raumausstatter/-in EFZ
  • Multimediaelektroniker/-in EFZ
  • Logistiker/-in EFZ
  • Maler/-in EFZ
  • Metallbauer/-in EFZ
  • Pflästerer/Pflästerin EFZ
  • Monteur/-in, Servicetechniker/-in Schliesstechnik
  • Schreiner/-in
  • Sicherheitsmitarbeiter/-in
  • Sicherheitstechniker/-in
  • Signaletiker/-in
  • Grundbauer/-in
  • Strassenbauer/-in
  • Verkehrsdienst-Auszubildende/-r
  • Diplom-Betriebswirt/-in

Mehr Wissen: www.berufsberatung.ch

Die nächste Generation

Die nächste Generation

Die Baustelle Gebäude D war von September 2022 bis September 2025 für Schulklassen offen. Als Bauherrenvertreter ermöglichte das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, vor Ort mit einzelnen Berufsvertreter/-innen der Fachplanenden und Unternehmungen zu sprechen, um konkrete Informationen zur Dauer der Ausbildung, zum Arbeitsort, zu den Tätigkeiten und den Themenfeldern, Weiterbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsvoraussetzungen zu erhalten. 

Bauberufe sind auch ein Thema in der Baukommunikation. Ziel ist, Perspektiven von verschiedenen Menschen und damit Potenziale für interessante und zukunftsorientierte Karrierewege aufzuzeigen. 

Lehrkräfte und Ausbilder haben das Angebot gut genutzt. Allein rund 700 Schülerinnen und Schüler sowie weitere Lernende, Teilnehmer/-innen von Weiterbildungen und Berufsleute informierten sich. Am Tag der offenen Baustelle am 21. März 2026 besuchten circa 130 Menschen das Gebäude.

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Ökologisches Energiekonzept

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