«Die wenigsten wissen, welche Berufsmöglichkeiten es gibt»

Drei Klassen der Schule Bethlehemacker Bern besuchen die Baustelle am Guisanplatz 1. Ortstermine für Schülerinnen und Schüler sind ein neues Angebot, um Einblick in die Welt der Bauberufe zu geben.

Es ist ein ungewohntes Bild an diesem Aprilmorgen auf der Baustelle des Bundes am Guisanplatz 1. In die üblichen Geräusche mischen sich die aufgeregten Stimmen von 62 Schülerinnen und Schülern der 7. Klasse. Alle ausgestattet mit Sicherheitshelmen und Signalwesten, auf dem Weg über die Gerüsttreppe in die achteinhalb Meter tief ausgehobene Baugrube. Von dort unten wird ab Juni das neue Verwaltungsgebäude für die Logistikbasis der Armee LBA sowie den Armeestab A Stab langsam in die Höhe wachsen. Die Mädchen und Jungen sollen im Rahmen ihrer Berufswahlwoche einen lebendigen Eindruck bekommen – am besten geht das zwischen Baggern und LKWs in der abgeschlossenen Baugrube. «Unsere Hoffnung ist, dass sie ein Gefühl dafür entwickeln, in welche Richtung sie gehen möchten», sagt Ljubica Akdeniz, verantwortliche Lehrerin für den Termin vor Ort. «Die wenigsten wissen, welche Berufsmöglichkeiten es gibt.»


Prinzip der Berufswahlwochen ist, fern von der Schulbank ein Erlebnis zu haben. So können Berufe, die neu, unbekannt oder in der öffentlichen Wahrnehmung zu wenig wertgeschätzt sind, konkret entdeckt werden. Für die Schülerinnen und Schüler bedeutet das eine Chance zu mehr Orientierung. Für Branchen wie die Bauwirtschaft oder die Energieversorgung eine Perspektive, um dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken.


Nadja Bützer, stellvertretende Gesamtleiterin für das Bauprojekt am Guisanplatz beim Generalunternehmer Aebi & Vincent Architekten (A&V), hat in den vergangenen Wochen alle Schulkreise in Bern über die neue geschaffene Möglichkeit des Baustellenbesuchs informiert. Bis im September 2025 ermöglicht die Bauherrschaft, das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL, zusammen mit A&V den SchülerInnen mit einzelnen BerufsvertreterInnen der Fachplaner und Unternehmungen vor Ort zu sprechen. In einer Präsentation erhalten sie ausserdem konkrete Informationen zur Dauer der Ausbildung, Arbeitsort, den Tätigkeiten und den Themenfeldern, Weiterbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsvoraussetzungen.


Was heisst es also in Theorie und Praxis ZeichnerIn Fachrichtung Ingenieurbau zu sein? Oder BauführerIn, MaurerIn, VerkehrsplanerIn? «Die Berufe am Bau sind immer noch stark von Rollenbildern geprägt, und dem Klischee, eine Männerdomäne zu sein», sagt Nadja Bützer, ausgebildete Zeichnerin Fachrichtung Architektur und Architektin BA. «Es ist wichtig zu zeigen, dass diese Welt allen offen steht. Es gibt Maurer und Maurerinnen, Verkehrsplaner und Verkehrsplanerinnen, Zeichnerinnen und Zeichner, LKW-Fahrerinnen und Fahrer – indem wir die Menschen hinter diesen Berufen vorstellen, zeigen wir ganz natürlich, dass solche Rollenbilder heute keine Relevanz mehr haben.» Die Bauberufe seien aber auch spannend, weil ganz unterschiedliche Menschen zusammen arbeiten, so Nadja Bützer: «Bauen ist ein Team-Werk. Jeder Beruf zählt und ist unersetzlich. Nur gemeinsam – mit Respekt, Einsatz und Freude – entsteht ein gutes Bauwerk und damit ein guter Arbeits- und Lebensort.»


Je nach Baufortschritt werden bei den Ortsterminen andere Berufe vorgestellt. Dieses Mal haben die SchülerInnen kennengelernt:

ZeichnerIn Fachrichtung Architektur
Durch Nadja Bützer, Stellvertretende Gesamtleiterin Aebi & Vincent Architekten SIA AG


ZeichnerIn Fachrichtung Ingenieurbau
Durch Claudia Moser, Bauleiterin B+S AG


BauleiterIn Tiefbau
Durch Christophe Sion, Chefbauleiter Tiefbau B+S AG


BauingenieurIn Fachrichtung Verkehrsplanung
Durch Doris Däpp, Verkehrsplanerin BSB + Partner Ingenieure und Planer AG


GrundbauerIn
Durch Stefano Corosiniti, Bauführer und Projektleiter, Marti AG
Video zum Beruf GrundbauerIn
der Marti AG.


MaurerIn
Durch Stefano Corosiniti, Bauführer und Projektleiter, Marti AG
Video zum Beruf MaurerIn
der Marti AG.


Lehrerinnen und Lehrer können sich bei Interesse an einer Baustellenführung an den Generalunternehmer wenden. Ansprechpartner ist: dieter.buri@aebi-vincent.ch

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«Wie können wir bauen, was wir bauen wollen?»

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